| Tourteilnehmer: Walter Paisler, Ludwig Schöller, Lothar Thewes Tagesetappe Nr.1 - Tirser Alphütte Gesamtkilomer/Höhenmeter: 49,8 Kilometer/3005 HM; Kondition/Technik: hart/schwierig; Tourdauer/Fahrzeit: 12,5 Stunden/10 Stunden. Wir starteten in Sankt Ulrich nach einer durchgefahrenen Nacht um 6:45 Uhr. Über Asphalt fuhren wir ca. 3 Kilometer gemächlich bergauf. Richtung Mahlknechthütte zeigten die Dolomiten ihr wahres Gesicht. Wir schraubten uns über Asphalt bis auf eine Höhe von ca. 1600 Höhenmeter. Anschließend ging es über Schotter weiter bis auf 2441 Meter über den Meeresspiegel zur Tirser Alphütte. Dort angekommen, genehmigten wir uns ein Stück Kuchen (ich glaube, der war mindestens vom Vortag) mit einem Kaffee bzw. einem Spezi. Nach einer kurzen Erholungspause führte uns Lui am Bärenloch vorbei (vom Bärenloch wird später noch die Rede sein) Richtung Schlerenhütte (2457m). Der gestrichelte Weg auf unserer Karte sagte uns etwas unwegsames Gelände voraus, was aber mit etwas gutem Willen und einigen Energiereserven zu bewältigen war. Oben angekommen, verweilten wir für ca. eine halbe Stunde. Wenn wir für jeden, der auf Walters VOTEC einen Blick geworfen hat, oder wenigstens für jeden, der mit seinem Finger auf das Rad gezeigt hat, nur 1 DM bekommen hätten, wäre die komplette Tour finanziert gewesen. Wir verließen die Hütte Richtung Tiers und stürzten uns in einen scheinbar endlos wirkenden Downhill. Der Knüppelsteig zeigte sich dank der trockenen Witterungsbedingungen als gut fahrbar. Lediglich einzelne Felspassagen zeigten uns unsere technischen Defizite auf. Gegen 15:30 waren wir in Tiers (1175 m). Walter mahnte zur Eile, was sich später als richtig herausstellte. Trotzdem mußten wir unseren Kohlenhydratespeicher auffüllen, was uns in einem kleinen Lebensmittelladen mehr oder weniger leidlich gelang. Wir fuhren in Richtung Bärenloch. Bärenloch! Der Blick von der Tierser Alphütte hinunter hätte uns eigentlich warnen müssen. Was uns hier erwartete war ein ganz harter Anstieg, mit nur ganz kurzen fahrbaren Abschnitten. Auf dem kleinen Wegweiser am Einstieg stand eine Wanderzeit von 3,5 Stunden. Wie uns Einheimische bekundeten, bräuchte man das auch schon. Daß jemand mit dem Rad da hinauf wollte, konnten sie aber nicht verstehen. Wir benötigten für den Aufstieg durch das Bärenloch 3 ganze Stunden. Diese teilten sich auf in ca. 45 Minuten Fahren, 1,5 Stunden Schieben und 45 Minuten Tragen. Der letzte Abschnitt erwies sich als ausgesprochen schwierig. Das Rad auf der Schulter, die Hand am Seil, quälten wir uns den Anstieg hinauf. Ab und zu kam uns ein Wanderer auf dem Klettersteig entgegen und verstand die Welt nicht mehr. Um 19:00 Uhr hatten wir es endlich geschafft. Das Bärenloch war bezwungen. Lothar hatte in diesem Loch ordentlich Federn lassen müssen. Für den Rückweg zur Hütte, ca. 1 Kilometer, benötigte er 20 Minuten. Den Rest des Abends verbrachten wir damit, die verbrauchten Kohlenhydrate und den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Wer uns kennt, weiß was es heißt, wenn wir an diesem Abend keinen Alkohol, sondern lediglich Mineralwasser und Spezi getrunken haben. Alles in allem und mit ein bißchen Abstand betrachtet, war es ein gelunger Auftakt. Wer selbst einmal an seine Leistungsgrenze (oder auch darüber hinaus) gehen möchte, sollte diese Tagesetappe einmal testen.
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| Tagesetappe Nr.2 - Bindelweghütte Gesamtkilomer/Höhenmeter: 36 Kilometer/1050 HM; Kondition/Technik leicht/leicht; Tourdauer/Fahrzeit: 6 Stunden/5 Stunden. Nach der knüppelharten 1. Etappe ließen wir es heute gemütlich angehen. Wider Erwarten verrichteten unsere Beine ihren Dienst und kurbelten uns um 9:00 Uhr Richtung August-Friedrich-Weg. Wir genossen ein wunderbares Panorama bei akzeptablen Höhenunterschieden. Ludwig hatte an diesem Tag den einzigen Ausrutscher auf der ganzen Tour. Er zog sich aber glücklicherweise nur einige leichte Schürfwunden zu. Viel mehr schmerzte ihn, daß sein CANNONDALE eine Macke abbekommen hatte. Nach einer rasanten Abfahrt ins Tal gönnten wir uns eine Portion Spaghetti, die uns Kraft für den kommenden Anstieg geben sollte. Bei der Auffahrt zum Paß Pordoi zeigte uns Walter wieder einmal mehr, welchen Trainingsrückstand wir haben. Er distanzierte uns bei diesem Anstieg um mehre hundert Meter. Lothar und Lui kurbelten ihren Tritt weiter, wohl wissend, was in den folgenden Tagen noch kommt. Die Strapazen bei der Auffahrt auf den Paß hielten sich in Grenzen, da die Bäume entlang der Straße die 28°C erträglich hielten. Heiß, ja sogar richtig heiß, wurde es oberhalb der Baumgrenze. Wir kurbelten uns Richtung Bindelweg auf 2338 Meter über den Meeresspiegel. Da im August Ferienzeit in Italien ist, wimmelte es hier von Urlaubern. Glücklicherweise war unsere Hütte (Riv. Viel de Plan) nur noch ca. 30 Minuten entfernt. Hier sei einmal ein dickes Lob an die Bergwanderer, die Wirte der Hütten und die Einheimischen ausgesprochen. Während der gesamten Tour gab es nicht ein böses Wort über Mountainbiker und deren Fahrstil (höchstens aus den eigenen Reihen). An der Bindelweghütte angekommen, ließen wir es uns gutgehen. Durch die relativ leichte Tour leichtsinnig geworden, ließen wir es uns bei Pasta, Weizenbier und Rotwein bis in den späten Abend hinein gutgehen. Ab 17:00 kehrte auf der Hütte Ruhe ein, so daß wir das Abendpanorama ganz alleine genießen konnten. Die Hütte ist in die Kategorie rustikal, aber sauber, einstufen. |
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| Tagesetappe Nr.3 - Sennes Hütte Gesamtkilomer/Höhenmeter: 56 Kilometer/2010 HM; Kondition/Technik schwierig/schwierig; Tourdauer/Fahrzeit: 9 Stunden/8 Stunden Rotwein. Wie konnten wir nur so leichtsinnig sein? Der Rotwein zeigte seine Wirkung und bestrafte uns bei dem ersten Anstieg zur Bergstation Porta Vescova (2565)! Oben angekommen, füllten wir unseren Bestand an Sonnencreme auf (30ml für 14000 Lire!!!) und bereiteten aus auf eine rasante Abfahrt vor. Lui führte uns auf direktem Wege (ich meine wirklich direkt - also ausgesprochen steil) Richtung Arraba (1600) ins Tal. Die 1000 Höhenmeter machten wir in ca. 30 Minuten platt. Unten angekommen, nahmen wir auf Asphalt Kurs Richtung Passo Falzarego (1400). Alles in allem waren 19 Kilometer bis zur Paßhöhe zu bewältigen. 9 Kilometer lief es eigentlich sehr harmonisch, d.h. bergab. Die letzten 10 Kilometer ging es dann stetig bis auf 2060 Meter über den Meeresspiegel bergauf. Lui mußte an diesem Tag dem Rotwein Tribut zollen, was sich auf seine Kondition niederschlug. Auf der Paßhöhe angekommen, füllten wir unsere Wasserflaschen und suchten den Einstieg auf den alten Militärpfad über die Gipfel. Nach einigem Suchen fanden wir ihn. Die ersten 100 Meter mußten wir schiebender- bzw. tragenderweise überwinden. Der Rest des Weges bis auf den eigentlichen Kamm konnte fahrend bewältigt werden. Über den Col di Bos 2330m (dieser ist für Biker gesperrt - es hat jedenfalls jemand kleine Holzschilder auf beiden Seiten des Kammes aufgestellt) mußten wir das Bike tragen, was uns aber mit der Bärenlocherfahrung geradezu lächerlich erschien. Auf der anderen Seite erstreckte sich das Travenaztal (1460m). Diese Tal zeichnet sich durch seinen steinigen Untergrund (Millionen von Kieselsteinen - große und kleine) und eine unheimliche Länge von mindesten 10 Kilometer aus. Hier konnte man seine technischen Defizite klar erkennen und daran arbeiten, nie vergessend daß der Weg manchmal nur handtuchbreit ist und die Felskante steil abfällt. Langsam überkam uns der Hunger und noch schlimmer der Durst. Unterwegs gibt es keine Möglichkeit, Frischwasser zu bunkern, geschweige denn etwas zu essen. Von Durst und Hunger getrieben, flogen wir durch das Tal hinab. Unterwegs tranken wir aus einer Quelle und trösteten unseren Magen mit einem Powerbar über das Schlimmste hinweg. Am Ende des Tales erwartete uns ein ca. 4 Kilometer langer Anstieg Richtung Val Salata (1781m). Da es bereits 16:00 Uhr war und die Küche bereits geschlossen hatte, gab es von der wirklich ausgesprochen freundlichen Bedienung für jeden 2 Käsebrötchen. Die Brötchen waren so dick mit Käse belegt, daß Walter überlegte, ein paar Scheiben Käse für den nächsten Morgen aufzuheben, da das Frühstück am Morgen sehr spartanisch ausgefallen war (dies lag aber nicht an unserem Rotweinkonsum, sondern an dem Frühstück selber). Nach 2 Cola und 2 Brötchen für jeden, kurbelten wir die letzten 400 Höhenmeter zur Senneshütte (2122m) hinauf. Wir erwarteten dort eigentlich Ruhe und Einsamkeit. Um so erstaunter waren wir, als uns bewußt wurde, daß dort genau an diesem Sonntag das jährliche Bergfest der dörflichen Gemeinschaft gefeiert wurde. Selten haben wir eine solche Menge von Leuten in so ausgelassener Stimmung gesehen. Kurz, der ganze Laden bebte und es gab keinen außer uns und der Bedienung, der noch nüchtern war. Trotz aller Bemühungen gelang es uns nicht, den Alkoholspiegel auf das Pensum der feiernden Masse zu heben. Die Menge tobte und tanzte bis in die späte Nacht hinein zu dem Ryhtmus von Schifferklavier, Gitarre, Rassel und Wingertsstickel (Weinbergspfähle), die im Rhythmus auf den Holzboden gerammt wurden. Eine Kellnerin verlor im Gedränge das Gleichgewicht und die Portion Spaghetti fiel zu Boden. Der Wingertsstickelschwinger trieb die Nudeln mit den Worten "PASTA - PASTA - PASTA" im Rhythmus in die Poren des Holzboden. Sehr zur Freude des Wirtes! Gegen 2:00 Uhr marschierte die Gesellschaft mit Fackeln ins Tal und überließ das Naturschutzgebiet Sennes und uns der wohlverdienten Nachtruhe.
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| Tagesetappe Nr.4 - St. Ulrich Gesamtkilomer/Höhenmeter: Kilometer/HM; Kondition/Technik mittel/schwierig; Tourdauer/Fahrzeit: 7 Stunden/5,5 Stunden Senneshütte. Von der nächtlichen Veranstaltung ist keine Spur mehr zu sehen! Selbst der in Mitleidenschaft gezogen Holzboden konnte wieder in Hüttenschuhen durchquert werden ohne Angst haben zu müssen, die Schuhe zu verlieren. Uns wurde von der etwas übermüdeten Bedienung ein ausgezeichnetes Frühstück angeboten - so viel man wollte - das gab es nicht überall! Nach ausgiebigem Frühstück packten wir unsere Rucksäcke zum letzten Mal. Heute Morgen hatten wir mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen. Vom Wetter verwöhnt, mußten wir mit Regen und einer Temperatur von 10° C klarkommen. Jetzt wußten wir wenigstens, warum wir tagelang die langen Radhosen und GORETEX-Jacken mitgeschleppt hatten. Auch die langen Handschuhe erwiesen sich für diesen Tag als sehr angenehm. Wir machten uns talabwärts auf den Weg Richtung Pederu (1540m). Unterwegs hatte Lothar den einzigen technischen Defekt, einen Platten (abgesehen von dem ständigen Nachjustieren der Scheibenbremsenlutscher). Nach Erledigung der Flickarbeiten nahmen wir die letzte Schotterrampe auf unserer Tour in Angriff. Von 1560 auf 2160m kurbelten wir hinauf. Im Nieselregen und bei 12°C nicht besonders angenehm. Oben angekommen, erwartete uns die Fanes-Hütte. Diese Hütte stellte in bezug auf den Komfort alles Gesehene in den Schatten, doch nutzten wir diese nur, um unsere durchgeschwitzten Klamotten durch frische, oder besser nicht schweißnasse zu ersetzen. Nach Befragung der Wirtsleute setzten wir unsere Tour mit etwas abgeänderter Wegführung fort. Belohnt wurden wir durch einen "supergeilen" Trail (Weg Nr. 11) hinab ins Tal. Dieser Trail ist dem Knüppelsteig mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar noch überlegen. Knifflige Felspassagen wechseln sich ab mit rutschigem Schotter und Spitzkehren, die nur von Könnern zu bewältigen sind. Da wir unsere Grenzen, glaube ich wenigstens, ganz gut abstecken können, begnügten wir uns an einigen Passagen mit dem Schieben und den Worten "also der Wolfgang, der wäre das gefahren". So gelangten wir aber sicher und wohlbehalten ins Tal. Über Asphalt rollten wir bis nach Stern (1380m) wo wir heißhungrig über eine Pizza hergefallen sind. Vom Regen in unserer Zeitplanung behindert und die lange Heimfahrt mit dem morgigen Arbeitstag im Hinterkopf, benutzten wir motorisierte Hilfe für den 14 Kilometer langen Anstieg zum Grödnerjoch (2100 m). Oben angekommen, lieferten wir uns bei der Abfahrt noch ein Rennen mit den Autofahrern, das diese jedoch ganz klar verloren. Gegen 16:00 Uhr kamen wir in Sankt Ulrich (1200m) an und beglichen mit unseren letzten Lire-Scheinen und -Stücken die Parkgebühren von 30000 Lire. Die Dolomiten sind wohl eines der schönsten aber auch anspruchsvollsten Gebiete für den ambitionierten Mountainbiker. Steile Anstiege und knifflige Abfahrten stellen den Biker immer wieder vor neue Herausforderungen. Wer sich mit den Gedanken trägt, eine Dolomitentour durchzuführen, sollte eine gewisse Grundkondition mitbringen. Für Gelegenheits- und Schönwetterfahrer ist dieses Gebiet nicht geeignet. Für denjenigen der sich und sein Bike im Griff hat, wird eine Tour durch die Dolomiten zu einem faszinierenden Erlebnis werden. |
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